Tindra räumt auf

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15.01.25
11:52
Ssemjon Gerlitz

 

Eines Morgens klopfte Otta, der Otter aufgeregt an Tindras Tür.

„Tindra, du musst schnell kommen! Familie Schneehuhn braucht unsere Hilfe.“

Tindra war sofort alarmiert und lief dem Otter hinterher. Sie kamen an die Küste, wo die Schneehuhn-Familie in einem Fischernetz gefangen war. Die Eltern und Küken saßen verzweifelt am Boden und versuchten, sich aus den straffen Maschen zu befreien.

„Du musst uns befreien, Tindra,“ sagte Herr Schneehuhn, „wir schaffen es nicht alleine.“

Tindra legte sofort los. Es war eine mühsame Arbeit, das Netz zu zerschneiden, aber nach einer Weile hatte sie es geschafft. Die Schneehuhn-Familie war frei.

„Das sind die Menschen“, sagte Herr Schneehuhn mit traurigem Blick. „Sie werfen so viel Müll in die Natur. Wir haben das Netz gar nicht gesehen, und plötzlich waren wir gefangen.“

Tindra spürte plötzlich, wie ihre Füße schwer wurden. Als sie hinabschaute, erschrak sie: Ihre Beine verwandelten sich langsam in Stein.

„Tindra!“ rief Otta, der Otter erschrocken. „Du wirst zu Stein! Das passiert, wenn die Freude und Wärme aus deinem Herzen verschwindet. Schnell, denke an etwas Schönes! Vielleicht an das Nordlicht.“

Tindra schloss die Augen und konzentrierte sich. Sie stellte sich vor, wie das Nordlicht in all seinen Farben am Himmel tanzte. Langsam kehrte die Wärme in ihr Herz zurück, und ihre Beine wurden wieder normal.

„Sehr gut!“ lobte Otta, der Otter. „Bewahre dir deine Freude, Tindra.“

„Ja,“ sagte Frau Schneehuhn. „Wir können uns über den Müll ärgern, oder wir können ihn aufräumen und uns freuen, wie schön die Natur danach wieder aussieht.“

„Du hast recht,“ sagte Tindra. „Lasst uns aufräumen!“

Tindra rief all ihre Freunde zusammen: Egil, den Elch, Ragna, das Rentier, Arne, den Wal, Kaja, die Möwe und viele andere Tiere. Selbst Hellen die Huldra kam, um zu helfen. Gemeinsam sammelten sie Müll in Nyksund ein und brachten ihn zu den Containern. Nach stundenlanger Arbeit war alles sauber.

„Das haben wir gut gemacht. Vielen Dank euch allen!“ bedankte sich Tindra bei ihren Freunden.

„Ja, aber hoffentlich hilft das auch,“ sagte Egil, der Elch. „Die Menschen sollten besser darauf achten, die Natur nicht wieder zu verschmutzen.“

„Aber nicht alle Menschen sind so,“ erwiderte Tindra. „In der Holmvik Brygge achten sie sehr auf die Natur. Die Holmvik Brygge ist ein umweltfreundlicher Betrieb, ein Sogenannter Umeltleuchtturm und wird streng kontrolliert, um sicherzustellen, dass sie sorgsam mit der Umwelt umgehen. Eigentlich brauchen sie keine Kontrollen, weil sie es von sich aus wollen.“

Kaum hatte Tindra das ausgesprochen, tauchten Ssemjon und zwei weitere Menschen auf.

„Schnell, versteckt euch hinter der Hütte!“ rief Otta, der Otter.

Die Tiere versteckten sich, gerade rechtzeitig, bevor die Menschen stehen blieben.

„Schaut mal,“ sagte Ssemjon. „Es sieht so aufgeräumt aus, als hätte jemand unseren Dreck weggemacht.“

Die anderen stimmten zu. „Das wäre ja eigentlich unsere Aufgabe gewesen. Wir sollten uns ab jetzt mindestens einmal im Jahr treffen, um Nyksund komplett von Müll zu befreien. Am besten vor dem 17. Mai, unserem Nationalfeiertag. In der Woche vor diesem Tag säubern Menschen in ganz Norwegen die Natur. Das müssen wir jetzt auch in Nyksund machen“

„Das ist eine gute Idee,“ sagte ein anderer. „Aber am besten wäre es, wenn erst gar kein Müll in die Natur gelangt.“

„Da hast du recht“, dachte Tindra. „Es gibt noch Hoffnung.“

Als die Menschen gegangen waren, verabschiedeten sich die Tiere voneinander. 

Alle hofften, dass die Natur von nun an sauberer bleiben würde.

Otta begleitete Tindra nach Hause zur Holmvik Brygge.

„Du, Tindra, das war zwar ganz gut, dass wir alles in den Container geworfen haben, aber Müll ist eigentlich sehr wertvoll. Man kann viel daraus machen, wenn er richtig sortiert ist.“

„Was meinst du damit, richtig sortiert?“ fragte Tindra.

„Zumindest sollte man Plastik, Papier, Glas und alles Organische wie alte Lebensmittel voneinander getrennt in andere Mülleimer werfen. Der organische Müll wird auf den Vesterålen genutzt, um Energie zu gewinnen, teilweise auch, um Blumenerde daraus entstehen zu lassen. Der Plastikmüll wird in ganz Norwegen gesammelt, und daraus werden neue Plastikprodukte hergestellt. Dadurch braucht man weniger neues Öl. Das Papier wird zu Zeitungen oder Toilettenpapier.“

Jetzt musste Tindra bei dieser Vorstellung lachen.

„Je mehr und je besser wir sortieren, umso weniger müssen wir der Natur neue Rohstoffe entziehen.“

„Jetzt verstehe ich, warum es in der Holmvik Brygge so viele verschiedene Mülleimer gibt. Dann werde ich auch gleich damit anfangen, meinen Müll zu sortieren. Aber hoffentlich mache ich das auch richtig.“

„Es ist erlaubt, Fehler zu machen,“ sagte Otta, der Otter. „Wichtig ist am Anfang, dass du überhaupt damit anfängst. Und wenn du Zweifel hast, dann frag mich. Wenn die Menschen Zweifel haben, fragen sie ja auch die Betreiber des Gästehauses oder zu Hause können die Menschenkinder ihre Eltern fragen.“

„Da habe ich wieder viel heute gelernt, Otta. Danke.“

Tindra schaute noch einmal über den sauberen Ort und legte sich dann schlafen.